FACHTAG „Selbsthilfe gemeinsam gestalten – neue Wege der Inklusion“

FACHTAG der LAG Selbsthilfe Sachsen e.V. am 06. April 2018
in der Industrie- und Handelskammer in Chemnitz

Die LAG Selbsthilfe Sachsen e.V. hat die Landesverbände, KISS und alle Interessierten für den 06. April zum Fachtag  in die IHK nach Chemnitz eingeladen.

Präsentationsstände

Über 30 Personen waren der Einladung gefolgt, vorrangig Interessierte vom Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Sachsen e.V.Die teilnehmenden Landesverbände der LAG waren leider überschaubar.

Die Fachtagung zum Thema
Selbsthilfe gemeinsam gestalten – neue Wege der Inklusion“
wurde von Dr. Matthias Müller, Vorsitzender der LAG Selbsthilfe Sachsen e.V. und
Frau Ines Petzold, Inklusionsberaterin der IHK Chemnitz, gemeinsam eröffnet.

Das erste Impulsreferat wurde von der Inklusionsbotschafterin Marina Fraas gehalten.
Sie ist 28 Jahre alt und erlitt mit 2010 Jahren einen schweren Schlaganfall,, auf Grund dessen sie eine halbseitige rechte Hemiparese und Restaphasie hat. An der Hochschule Magdeburg/Stendal hat sie ihren Bachelor in Rehabilitationspsychologie studiert und will ihren Master noch hinzufügen.

Die Krankheitsbewältigung ist nicht immer leicht. Für sie ist es wichtig anderen betroffenen Menschen zu helfen, dass der Sinn am Leben nicht verloren geht. Sie versucht in beruflicher wie auch aus eigenem Interesse psychologische Hilfe und Unterstützung zu geben. In ihrer Arbeit mit den Selbsthilfegruppen hält sie Vorträge und führt psychologische Gespräche. Die meisten denken bei Inklusion an Defizite, Beeinträchtigungen oder Behinderungen, die man in die Gesellschaft integrieren muss. Frau Fraas geht von dem Defizitdenken weg. Sie schaut als Realistin auf die positiven Ressourcen die ein Mensch mit sich bringt, um Schwung in die Gesellschaft zu bringen. Das ist ihr Motto als Inklusionsbotschafterin:
Die Ressourcen einem  Menschen wieder zubringen.
Sie berichtet mit großer Leidenschaft von ihren vielen Aktivitäten. Sie will ihren Weg in Richtung klinische Psychologie und Neuropsychologie weiter ausbauen. Außerdem wirkt sie in der ÖDP (Ökologische Demokratische Partei) mit.  Die „Entschleunigung“, also weg vom stressigen Leistungsdenken, würde bei uns allen die Lebensqualität verbessern und den Weg für die Inklusion ebnen. Das will sie in dieser Partei voranbringen. Ihre  Kreativität lässt  auch nicht außer Acht. Sie hat das Stricken auf eine andere Art und Weise für sich neuentdeckt und gibt es nun an andere weiter. Im Workshop „Inklusionsstricken“ lernen Betroffene einhändig zu stricken. Auch Spinnen, Filzen, Wikinger-Stricken etc. lassen sich gut mit einer Hand gestalten. Somit ist auch für Menschen mit Behinderung ihrer Kreativität keine Grenze gesetzt. Das Stricken führt sie uns dann  auch gleich praktisch vor.
Ihr Resümee:
„Für mich ist eine sinnvolle Tätigkeit im Behindertenbereich besonders wertvoll, ja gerade weil eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft für soziale und auch psychische Stabilität der Betroffenen sorgen kann. Als Inklusionsbotschafterin will ich dazu beitragen, dass Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam an der Gesellschaft teilhaben, so dass ein besseres Miteinander entsteht.“ Der sehr emotionale Vortrag wird mit reichlich Beifall bedacht.
Gut, dass es solche jungen engagierten Menschen gibt.

Das zweite Impulsreferat zum Thema „Inklusive Stadt „wird von der Behindertenbeauftragten der Stadt Chemnitz Frau Petra Liebetrau gehalten. Sie ist allen gut bekannt, arbeitet sie in dieser Funktion schon zehn Jahre.  Für sie ist jede Kommune per se inklusiv. Weil ihre Bewohner jung oder alt, groß oder klein, blond rothaarig oder dunkel, mit deutscher oder anderer Nationalität, oder von verschiedener Religion  sind. Eine inklusive Stadt erkennt man daran, wie sie mit dieser Vielfalt umgeht und für alle eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht. Sie berichtet von ihren Erfahrungen in der Stadt Chemnitz, was gut funktioniert und wo es noch Reserven gibt.
Sie berichtet vom Projekt Traumkonzert. Junge Künstler mit und ohne Handicap gestalten gemeinsam mit Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie traumhafte Abende, der für wahr gewordene Träume steht und ins Träumen geraten lässt. Am 11. November 2019 wird es diese Veranstaltung bereits zum fünften Mal geben. Für den fünften Mai 2018 ist es ihr gelungen die Parade der Vielfalt von Dresden auch nach Chemnitz zu holen. Flyer zur Parade der Vielfalt in Chemnitz am 5. MAi 2018
Einige ihrer Zitate fanden wir erwähnenswert:
-Du kannst alt sein wie eine Kuh, du lernst immer noch dazu und
Ihre feste  Überzeugung ist es, keine E-Mail ersetzt das gesprochene Wort.
Ihr Handlungsgrundsatz:
„Es ist immer so; der Wurm muss dem Fisch schmecken. Nicht dem Angler „.
Unser Resümee: eine gute Stadtverwaltung lebt von ihren guten Mitarbeiterinnen.

Das dritte Impulsreferat wurde von Frau Johanna von der Waydbrink von der Servicestelle Inklusion im Kulturbereich aus Dresden gehalten. Sie berichtete von der Ausgangslage 2013, von der Aufbauphase der Servicestelle und von den Themen und Zielen. Es geht um Barrierefreiheit,  Bildung und Beschäftigung in der Kultur mit den Schwerpunkten  Sensibilisierung, Aktivierung, Beratung, Information, Qualifizierung, Vernetzung und Austausch. Wir sind als Landesverband da schon auf einem guten Weg, arbeiten wir doch schon seit einem Jahr mit der Servicestelle zusammen.

Das nächste Referat wurde von der Inklusionsberaterin der IHK Frau Ines Petzold gehalten. Sie stellte das Projekt Inklusionsberatung vor. Dabei informieren, unterstützen und begleiten sie Unternehmen bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. An praktischen Beispielen ihrer Arbeit zeigte sie was möglich sein kann und wie beschwerlich sich das im Arbeitsleben durchsetzen lässt. So leben in Sachsen etwa 163000 Menschen mit Schwerbehinderung und 80 %  davon haben einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung. Hier ist ein großes Potential auf dem Arbeitsmarkt vorhanden.  Ein sehr interessanter Vortrag.

Nach der Mittagspause stellt im 1. Workshop Christine Jeglinsky von der LAG SH Sachsen das Projekt
„Inklusionsnetzwerk Sachsen „  vor. Die Idee besteht in der Potenzierung der Erfahrungen  aus dem SH-Netzwerk Sachsen und dem Angebot zur Umsetzung  des Landesaktionsplanes  der sächsischen Staatsregierung. Betroffene sollen von der Basis aus Inklusion durch Vernetzung gestalten. Dazu soll es dann auch ab Juni 2018 entsprechende Schulungen geben.

Im Workshop zwei spricht Dr. Müller über neue notwendige Selbsthilfestrukturen. Nach 28 Jahren Selbsthilfe in Sachsen gilt es neue Wege zu beschreiten. Um den neuen Anforderungen einer maßgeblichen Interessenvertretung der Menschen mit Behinderungen, auch nach dem Bundesteilhabegesetz, gerecht werden zu können, will die LAG SH ihre Struktur dahingehend erweitern, dass sie ein Beratungs- und Kontrollorgan „Beirat“ über den Vorstand ehrenamtlich installiert, der aus ca. 5 Personen bestehen könnte, die alle kompetente Persönlichkeiten auf ihrem Gebiet und in der Interessenvertretung unterschiedlichster Behinderungen und chronischer Erkrankungen darstellen. Über dieses Gremium wird sichergestellt, dass ein breites Spektrum  der Selbsthilfevertreter auf die inhaltlich  fachliche Arbeit der LAG SH Einfluss nimmt.
Ein auch für uns interessantes Thema.


Marina Fraas Dr. Müller


Referentinnen Marina Fraas &  Christine Jeglinsky

Mit viel neuem Wissen haben wir die Heimreise angetreten.
Inge und Claus Hartmann vom Landesverband Sachsen.

Bilder von Claus Hartmann

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